Archiv der Kategorie: Pressespiegel

Dokumentarfilm "Bilderbuch: Berlin-Kreuzberg", Juni 2007

Quelle: DasErste.de/rbb

Im Rahmen der Sendereihe „Bilderbuch Deutschland“ hat rbb am 03.06.2007 einen Film von Grit Lederer über Berlin-Kreuzberg gesendet (Wiederholungenen auf 3sat am 29.10.2007 und Phönix am 09.11.2007).

Zu dem Filmbeitrag wurde auf den ARD/rbb Internetseiten eine Reportage über Berlin-Kreuzberg veröffentlicht.

In dem Beitrag findet vor allem auch SO 36 und seine „multikulturelle Alternativkultur“ Erwähnung:

„Heute leben in Kreuzberg zu einem Drittel Migranten, Menschen aus über 50 Nationen. Diese außergewöhnliche multikulturelle Atmosphäre spiegelt sich auch in dem bunt gemischten Angebot an Geschäften, Bars und Restaurants aus aller Welt.“

„Vor allem die hier aufgewachsenen Kinder der Migranten bemühen sich mit kreativem Engagement um ein neues Image des Bezirks: Sie wehren sich gegen die Attribute wie Randalebezirk, sozialer Brennpunkt oder Drogenumschlagplatz.

Typisch für diese neue Generation ist Wafaa Khattab, deren Eltern als palästinensische Flüchtlinge vor über 30 Jahren nach Kreuzberg kamen. Heute bietet die junge Frau Stadtführungen an, bei denen sie Jugendlichen ihr Kreuzberg zeigen will. Sie ermöglicht sonst verborgene Perspektiven und hofft, somit Vorurteile abbauen zu können.“

Zu dem Beitrag auf den Internetseiten veröffentlichte der Sender auch eine Linkliste ausgesuchter Adressen im Zusammenhang mit dem Bezirk.

Wir haben uns natürlich sehr gefreut, dass auch unsere private Internetseite über „Aktion Buntes Kreuzberg“ mit in diese Linkliste aufgenommen wurde.

AWO-Panorama 2/2007, Seite 4. Große Anerkennung für Projekt des AWO-Begegnungszentrum Adalbertstraße

AWO-Panorama 2/2007, Seite 4

Berliner Tulpe fürs Bunte Kreuzberg

Große Anerkennung für Projekt des AWO-Begegnungszentrum Adalbertstraße

AWO-Panorama 2/2007, Seite 4Anfang 2006 wurde die „Berliner Tulpe“ ausgelobt, ein Preis für „Deutsch-Türkischen Gemeinsinn“, ausgeschrieben von Radyo Metropol FM, der Senatskanzlei, dem Integrationsbeauftragten, der Werkstatt der Kulturen und finanziert durch die Körber-Stiftung, deren Hamburger Tulpe als Vorbild diente. Die Tulpe ist dabei ein Symbol gelungener Integration. Sie stammt nämlich nicht aus Holland, sondern kam im 16. Jahrhundert im Gepäck eines Gesandten an den Wiener Hof und ist heute in vielen Gärten Europas zu Hause.

Unter 27 Beiträgen aus ganz unterschiedlichen Bereichen ermittelte eine hochrangig besetzte Jury drei Preisträger. Mit dem 1. Preis wurde das Theaterprojekt Diyalog e.V. ausgezeichnet, der geteilte 2. Preis ging an den Freundeskreis der Lemgo-Grundschule und an die Aktion „Buntes Kreuzberg“.

Die Preisverleihung fand am 11.Dezember im großen Saal des Roten Rathauses statt. Die Laudatio für die Preisträger hielt das Jurymitglied der „Berliner Tulpe“, Bundestagspräsidentin a.D. Prof. Rita Süßmuth, und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit überreichte die Preise. Für die Aktion „Buntes Kreuzberg“ nahm Filiz Müller-Lenhartz den Preis entgegen und dankte für das Begegnungszentrum und die vielen beteiligten Ehrenamtlichen für die hohe Auszeichnung.

Die Aktion „Buntes Kreuzberg“ entstand 2001 auf Initiative von MitarbeiterInnen und Ehrenamtlichen des AW0- Begegnungszentrum Adalberstraße.Unter dem Motto „Buntes Kreuzberg putzt sein Zuhause“ wurden Nachbarn, umliegende Schulen, Kirchengemeinen und Moscheen angesprochen, sich an einer Putzaktion im Kiez zu beteiligen. Vor allem die türkische Seniorengruppe leistete dabei viel Überzeugungsarbeit, wobei sie von anderen türkischen aber auch deutschen, spanischen, und polnischen Besuchern der Begegnungsstätte unterstützt wurde.

Nachdem es im ersten Jahr allen viel Spaß gemacht hatte, wurden die Putzaktionen mit Unterstützung der BSR in den folgenden Jahren wiederholt. Bei der letzten Aktion im September 2006 zogen gleich mehrere Gruppen putzend durch den Kiez, entfernten Graffittis, pflanzten Blumen und machten an verschiedenen Stationen halt, um Historisches über ihren Stadtteil zu erfahren. Zum Abschluß trafen sich die Teilnehmer auf dem Mariannenplatz: Kinder und Jugendliche, Künstler und Kommunalpolitiker, deutsche und türkische Senioren. Und weil dieses wirkliche Kreuzberger Volksfest so gelungen war, und weil das Preisgeld der „Berliner Tulpe“ für die Fortführung der Aktion verwendet werden muss, können sich alle, die dabei waren, schon auf ein nächstes Mal freuen.

Link zu der PDF-Datei: AWO Panorama 2/2007, Seite 4. Artikel über Buntes Kreuzberg

taz Interview "Wir bringen Buntes zusammen" vom 14.12.2006

Quelle: taz vom 14.12.2006 / Interview Alke Wierth

Der Integrationspreis „Berliner Tulpe“ geht auch an das AWO-Projekt „Buntes Kreuzberg“. Teilweise seien die Vorstellungen über den Bezirk haarsträubend falsch, sagt Initiatorin Filiz Müller-Lenhartz

INTERVIEW ALKE WIERTH

taz: Frau Müller-Lenhartz, was ist die „Aktion Buntes Kreuzberg? Ist Kreuzberg nicht bunt genug?

Müller-Lenhartz: Bunt schon, aber nicht gemeinsam bunt. Wir bringen das Bunte zusammen, damit es ein gemeinsames wird.

Wen bringen Sie zusammen?

Alle Anwohner: alte und junge jedweder Herkunft. Und auch Leute, die Kreuzberg mögen, aber anderswo wohnen. Zu uns kommen Menschen türkischer und griechischer, deutscher und spanischer, iranischer, polnischer, bosnischer und kroatischer, auch russischer beziehungsweise jüdischer Herkunft.

Und wie bringen Sie die zusammen?

Indem wir einen gemeinsamen Nenner finden. Und der heißt Kreuzberg. Wir machen Touren und Führungen durch den Bezirk, seine Museen, seine verschiedenen Gotteshäuser. Wir feiern gemeinsam und wir machen unsere jährliche Kiez-Putz-Aktion. So entsteht ein Dialog. Für mich ist immer wieder faszinierend, wie groß die gegenseitige Neugier ist. Viele unserer Besucher sind ja zeit ihres bisherigen Lebens nicht viel in Kontakt zu Deutschen, zu Menschen anderer ethnischer Herkunft oder Religion gekommen. Die Älteren haben gearbeitet, sie haben sich um ihre eigene Familie gekümmert. Nun können sie hier ganz neue spannende Erfahrungen machen.

Was bedeutet Kreuzberg Ihnen persönlich?

Es ist mein Zuhause: ein Ort, an dem man sich wohlfühlen kann, mit südländischer Atmosphäre und voller herzerfrischender Nischen: nette Nachbarschaften, nette Läden, tolle Projekte.

Derzeit wird Kreuzberg in ganz anderen Farben diskutiert: als No-go-Area für die Polizei, als Bezirk, in dem die Herrschaft renitenter junger Zuwanderer quasi kurz bevorsteht …

Vorfälle wie den im Wrangelkiez oder an der Eberhard-Klein-Schule ignorieren wir nicht. Wir leben ja mittendrin in diesem Kiez, und hier gibt es eben viele Probleme wie Armut, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit der Jugendlichen. Trotzdem sind die Vorstellungen, die außerhalb des Bezirks über Kreuzberg bestehen, teilweise haarsträubend falsch. Ich habe mich hier nie bedroht gefühlt. Unsere Senioren und Seniorinnen fühlen sich teilweise auf der Straße abends nicht sicher. Das betrifft aber vor allem die, die von außerhalb des Bezirks zu uns kommen. Denen ist die Szenerie beispielsweise des Kottbusser Tors nicht vertraut. Das macht ihnen Angst, wenn da Drogenabhängige herumstehen.

Denen, die glauben, solchen Problemen mit interkulturellem Dialog und interreligiösen Festen begegnen zu können, wirft man heute gerne Naivität und Blauäugigkeit vor.

Ich glaube nicht, dass wir blauäugig sind. Gerade weil es alle diese Probleme gibt, weil nicht alles eitel Sonnenschein ist, muss man die Gelegenheit zu solchen Begegnungen schaffen. Nur so kann man das friedliche Zusammenleben stärken. Und so schlimm die Lage auch ist: sie ist ja in allen Familien, die zu uns kommen, ähnlich – egal, welcher Herkunft oder welcher Religion. Wenn die Menschen das sehen und begreifen, ist schon viel gewonnen. Und außerdem: Man darf auch in einem harten Überlebenskampf nach ein bisschen Spaß suchen. Das versuchen wir hier.

Heute bekommt Ihr Projekt die Berliner Tulpe und damit ein Preisgeld von 2.500 Euro. Haben Sie sonst noch Wünsche?

Ja. Ich wünsche mir, dass unser Begegnungszentrum in der Adalbertstraße und unser Team, mit dem wir seit Jahren zusammenarbeiten, erhalten bleibt.

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Rathaus aktuell, Berliner Tulpe: Wowereit Gastgeber der Preisverleihung, vom 11.12.2006

Quelle: Rathaus aktuell, Meldung vom 11.12.2006

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit war am Abend des 11. Dezember 2006 Gastgeber der Preisverleihung der Berliner Tulpe. Wowereit sagte in seiner Begrüßungsansprache im großen Saal des Roten Rathauses, dass eine Stadt wie Berlin von der Vielfältigkeit der Kulturen lebe. Oft stünden nur die Probleme der Integration im Vordergrund und nicht das Potenzial, welches sich aus dem Miteinander unterschiedlicher Nationen ergebe. Integration heiße Brücken schlagen, jeder solle seine Identität behalten. Vielfalt sei keine Bedrohung, sondern Bereicherung, unterstrich Wowereit.

Rathaus aktuell: Wowereit Gastgeber der Preisverleihung Berliner TulpeDie Preise gingen alle an Kreuzberger Projekte. Den ersten Platz belegte der Verein Diyalog, der jährlich das gleichnamige Theaterfest ausrichtet. Der zweite Preis wurde geteilt. Die Auszeichnung erhielten die Aktion „Buntes Kreuzberg“ und der Verein der Freunde der Lemgo-Grundschule in Kreuzberg.

27 Projekte, die von deutschen und türkischstämmigen Berlinern betrieben werden, haben sich nach Angaben des Senats um die „Berliner Tulpe“ beworben. Eine Jury unter Vorsitz des Integrationsbeauftragten Günter Piening entschied über die Sieger.

AWO Magazin 03/06, "Ehrenamt im Kiez statt Fernsehsessel", vom 28.04.2006

Quelle: AWO Magazin 03/06, Report

Freiwilligenarbeit im internationalen Begegnungszentrum in Berlin-Kreuzberg

Ehrenamt im Kiez statt Fernsehsessel

Die Seniorenarbeit hat innerhalb der AWO einen hohen Stellenwert. Einige der Angebote hat das AWOmagazin bereits in loser Reihe vorgestellt: etwa den Seniorenreisedienst, Essen auf Rädern und Wohnformen im Alter. In dieser Ausgabe berichtet des AWOmagazin über das internationale Begegnungszentrum in Berlin-Kreuzberg.

Berliner Abendblatt, "Das bunte Kreuzberg" vom 21.05.2003

Am 25. Mai wienert Jung und Alt SO 36 rund um das Kottbusser Tor

Das bunte Kreuzberg putzt sein Zuhause

Mit dieser Überschrift berichtete das Berliner Abendblatt vom 21. – 27. Mai 2003 auf Ihrer Titelseite über die Putzaktion am 25.Mai 2003. Hier der Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion:

Kreuzberg. Am Sonntag, dem 25. Mai, heißt es: Ärmel hochkrempeln, Besen in die Hand nehmen und ab zum Kotti. Dann nämlich putzt das bunte Kreuzberg sein Zuhause. Von 12 bis 14 Uhr sind alle Bürger aufgerufen, bei der Reinigungsaktion in SO 36 mitzuhelfen. Eine prima Gelegenheit, dem Winterspeck den Kampf anzusagen, Bekanntschaften zu knüpfen und sich ganz nebenbei für einen guten Zweck zu engagieren.

“Besonders toll ist, dass Menschen zusammenkommen, die zwar nebeneinander leben, aber sonst wenig Gelegenheiten haben, sich kennen zu lernen”, sagt Filiz Müller-Lenhartz vom AWO-Begegnungszentrum in der Adalbertstraße über “Das bunte Kreuzberg putzt sein Zuhause – Wir heben auf”. Sie hat die große Reinigungsaktion ins Leben gerufen, die am Sonntag, dem 25. Mai, bereits zum dritten Mal stattfindet.

Ab 11 Uhr treffen sich putzwillige Kreuzberger am Kottbusser Tor. Hier werden sie über den Ablauf informiert und mit Handschuhen, Besen, Griffschaufeln, Schippen und Wagen ausgestattet. Um 12 Uhr geht’s los. Drei “Putzkolonnen” schwärmen dann in Richtung Adalbertstraße, Heinrich- und Oranienplatz aus. So genannte Routenleiter zeigen den fleißigen Helfern nicht nur wo’s lang geht, sondern werden ihnen auch mit Geschichten aus dem Kiez die Arbeit versüßen – Geschichten von gebürtigen und zugezogenen Kreuzbergern aus den 30er und 40er Jahren und von Migranten der ersten Generation.

Um 14 Uhr haben sich die ehrenamtlichen Putzteufel dann eine Stärkung verdient. Im AWO-Begegnungszentrum in der Adalbertstraße 23a dürfen sie endlich das Buffet stürmen.

Der ungewöhnliche Großputz wurde im Jahr 2001, dem internationalen Jahr der Freiwilligen, aus der Taufe gehoben. “Ich hatte vorher schon die Idee dafür im Kopf”, erzählt Filiz Müller-Lenhartz, “wunderbar, dachte ich mir, das war die Gelegenheit sie umzusetzen.” Nach amerikanischem Vorbild des “Day of Caring” rief das Begegnungszentrum dann die Kreuzberger auf, sich unter dem Motto “Buntes Kreuzberg putzt sein Zuhause” für einen guten Zweck freiwillig zu engagieren. Seitdem treffen sich einmal im Jahr alteingesessene und neu zugezogene, junge und alte Kreuzberger unterschiedlicher Herkunft zum gemeinsamen “Wienern”.

Wegen ihres vorbildlichen Charakters soll die Aktion ab dem 10. Juli im Museum Europäischer Kulturen in Dahlem nachgestellt werden – in der Ausstellung “Migrationsgeschichte” im Rahmen des EU-Projektes Migration-Arbeit-Identität.

Fragen zur Putzaktion werden unter der Rufnummer 69535613 beantwortet. dj

Berliner Abendblatt vom 21. – 27. Mai 2003

© 2003 BerlinOnline Stadtportal GmbH & Co. KG

taz Artikel von Philipp Gessler – Kein "Clash of Civilizations", vom 04.12.2002

Quelle: taz Artikel von Philipp Gessler vom 04.12.2002

Kein „Clash of Civilizations“: Fasten und Eis gebrochen

In Kreuzberg treffen sich türkische und jüdische Senioren zum gemeinsamen „Fastenbrechen“ nach muslimischem Recht. Das erste Treffen dieser Art fand vor einem Jahr statt: am 12. September 2001

Von Philipp Gessler

So ist das mit dem clash of civilizations: Nikolai Trakhtman steht auf, schaut mit leichtem Schielen in die Runde und erzählt eine Geschichte vom Propheten Mohammed: Kurz bevor er auf dem Tempelberg in Jerusalem sein geflügeltes Pferd El-Barak bestieg und in den Himmel flog, saß er noch mit drei anderen Propheten zusammen – und was haben sie gemacht? Sie haben miteinander gegessen! So sei es recht getan, sagt der 67-jährige und setzt sich. Der gleichaltrige Sehmus Kargi klatscht begeistert und lacht Trakhtman an. Das Essen kann beginnen.

Es ist nicht schwierig, sich beim gemeinsamen Schmausen zu verstehen – die Geschmacksnerven auf der Zunge scheinen weniger eingefahren als die Synapsen im Gehirn. Da finden der frühere Elektriker türkischer Herkunft und der pensionierte Bauingenieur rumänischer Abstammung trotz gemeinsamen Kampfes mit dem Deutschen leicht zusammen. Was die leichte Verständigung der beiden heutzutage jedoch umso erstaunlicher macht, ist etwas anderes: Trakhtman ist Jude, Kargi Muslim. Und gemeinsam feiern sie das islamische „Fastenbrechen“.

Seit gut einem Jahr treffen sich auf Einladung des Jüdischen Kulturvereins und der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreuzberg türkische und jüdische Senioren aus der Hauptstadt alle paar Monate, um einander besser kennen zu lernen – und dass das überhaupt zustande kam, ist fast so etwas wie ein Wunder. Denn ausgerechnet das erste Treffen war nach monatelanger Vorplanung wegen Terminschwierigkeiten schließlich für den 12. September 2001 festgesetzt worden: ein Tag, nachdem mit den Selbstmordattentaten von New York und Washington nach Ansicht vieler der „Zusammenprall der Kulturen“ und der Kampf der Religionen im Sinne Samuel P. Huntingtons begonnen hat. Die jüdischen Weltverschwörer und die muslimischen Antisemiten an einem Tisch. Konnte, kann das gut gehen?

Es ging gut, wie Ralf Bachmann, Vorstandsmitglied beim Jüdischen Kulturverein berichtet: Man habe das Treffen am 12. September 2001 („gerade an diesem Tag!“) nicht verschoben – und alle, die damals dabei gewesen seien, hätten dieses Zusammensein nicht vergessen: „Wir fühlten uns irgendwie innerlich verbunden – im Protest.“ Am Treffen festzuhalten, sagt Filiz Müller-Lenhartz, sei „richtig gewesen“. Die Sozialarbeiterin organisiert das heutige Treffen im AWO-Begegnungszentrum und schwirrt durch den Raum, um mit allen neuen Bekannten mal kurz zu sprechen. Mit Sonnenuntergang, heute um 16.02 Uhr, darf nach muslimischem Recht (Sure 2, Verse 183-5) im Fastenmonat Ramadân wieder gegessen und getrunken, das Fasten gebrochen werden. Die rund 30 Senioren erfreuen sich an Linsensuppe (mercimek corbasi), Hackbraten mit gegrillter Peperoni (biber kizartma) und Pistazien-Teigtäschchen (baklava).

Die Stimmung steigt, der Sprachenwirrwarr nach dem Scheitern des Turmbaus zu Babel ist kein Hindernis mehr. Es folgen Willkommensgrüße auf Deutsch, auf Türkisch, Rumänisch, Russisch, Englisch, ja sogar auf Aserbaidschanisch und Japanisch (samt Verneigung und verlegenem Lachen) – was war noch mal das Problem einer multikulturellen Gesellschaft? Am Ende des Essens spricht Gulsen Zeybel (54) ein Dankgebet an Allah. Es sei nichts Besonderes, sagt sie, sich mit Juden zu treffen, es seien doch „normale Menschen“. Ihr gefalle es, bei ihren Treffen in die Gesichter zu schauen, „glückliche und freundliche“. Trakhtmann sagt: „Wenn man in dem anderen den Menschen sehen will, sieht man in ihm einen Menschen.“ Der clash of civilizations findet nicht statt.

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Berliner Zeitung vom 17.09.2001 – 22 Säcke voller Müll

Vielleicht die erste Erwähnung der Aktion in der deutschsprachigen Presse  haben wir in der Berliner Zeitung vom 17.September 2001 gefunden. Steafan Strauss war vor Ort und befragte Ehrenamtliche Helfer, ob sie denn an einem so schönen Tag nichts besseres vorhatten, als die Strassen im Kiez zu kehren…

Hier der Artikel:

Kreuzberger Anwohner putzten am Sonntag ihren Kiez
von Stefan Strauss

Wer kommt auf die Idee, sonntags die Straße zu kehren und Straßendreck wegzuräumen? Freiwillig und bei sonnigem Wetter? „Eigentlich“, sagt Nalan Mamczek, „würde ich jetzt mit meinen drei Kindern in den Park fahren. “ Stattdessen schiebt die Sozialarbeiterin einen breiten Straßenbesen durch die Adalbertstraße. Unter dem Motto „Das bunte Kreuzberg putzt sein Zuhause“, hatte die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Kreuzberg an Berlins erstem Freiwilligentag zur großen Putzaktion im Wohnviertel SO 36 aufgerufen. Etwa 50 Anwohner zogen in Putzkolonnen durch den Kiez zwischen Kottbusser Tor und Waldemarstraße. Mit Schippen und Besen der BSR sammelten sie den Straßendreck ein, holten Unrat aus Gebüschen und Hauseingängen.

Filiz Müller-Lenhartz vom AWO-Begegnungszentrum an der Adalbertstraße hat den Reinigungstag organisiert. Auch Sozialstadtrat Lorenz Postler (SPD) und Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) fegten mit. Filiz Müller-Lenhartz hofft: „Alle sollten überlegen: Was können wir für den Kiez tun?“ Daraus sollen später Gesprächsrunden entstehen.

Passanten und Ladenbesitzer reagierten zurückhaltend. An der Kneipentür der „Roten Rose“ an der Adalbertstraße schaute Burkhard Koisch zu: „Wir haben hier unsere eigene Ordnung. “ Auch Güleryüz Niyazi, Inhaber des Internetcafés Tutku, blieb skeptisch: „Durch solche Aktionen wird ein Müllproblem erst produziert. “ Mittags waren 22 Müllsäcke gefüllt mit Papierresten, Scherben und leeren Dosen.

Die Uno hat für 2001 das „Internationale Jahr der Freiwilligen“ ausgerufen. Am Sonntag sind in Berlin 25 Freiwilligenprojekte mit Hilfe der Freiwilligenagentur „Treffpunkt Hilfsbereitschaft“ entstanden. Neben der Putzaktion wurden unter anderem Gartenarbeiten im Mauerpark durchgeführt. Andere Menschen säuberten das Mahnmal in der Rosenstraße. Sozialsenatorin Gabriele Schöttler (SPD) beteiligte sich an Malerarbeiten im Evangelischen Krankenhaus Herzfelde.

Radikal vom 17.09.2001 – "En yorucu kutlama"

Quelle: Radikal, Meldung vom 17.09.2001

Die erste Pressemeldung über die Aktion Buntes Kreuzberg, die wir finden konnten, stammt von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, die die türkische Tageszeitung „Radikal“ aus Istanbul am 17. September 2001 veröffentlicht hat.

AA – BERLİN – Almanya’nın başkenti Berlin’de, Türklerin yoğun olarak yaşadıkları Kreuzberg semtinde dün ‚1. Gönüllü Temizlik Günü‘ kutlandı! Organizatör Filiz MüllerLenhartz, gönüllülerin sokak sokak dolaşıp, çöpleri temizlediklerini, Berlin Çöp İdaresi’nin kendilerine eldiven, süpürge ve el arabası verdiğini söyledi. Çalışmaya Birlik 90/ Yeşiller Partisi Eyalet Meclisi milletvekili Özcan Mutlu da katıldı.

Sie haben es schon gemerkt, die Meldung ist auf türkisch. Tja, fragen Sie Ihren Arzt, Apotheker oder Nachbarn! Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie jemand finden, der türkisch versteht, ist nicht nur in Kreuzberg hoch 😉