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Die Geschichte der Aktion Buntes Kreuzberg

Teil 3 – Entfaltung und Fortführung

Buntes Kreuzberg zu Besuch beim BSR, 2007Die erste Veranstaltung im Jahre 2005 fand unter dem Motto „Buntes Kreuzberg meets Feuerwehrbrunnenfest“ am Sonntag, den 22.05.2005 am Mariannenplatz/ Bethaniengelände statt.

Kooperiert hatten wir mit KoKo Anwohnerinitiative Mariannenplatz und das Schulprojekt Arbeiten und Lernen des PFH. Zu den Unterstützern zählten auch dieses Jahr die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) und Interkulturelles Zentrum für Gesundheitsförderung & Prävention (IZGP) in der Waldemarstrasse.

Nach der Putzaktion auf dem Mariannenplatz feierten wir mit der Anwohnerinitiative die Inbetriebnahme des Feuerwehrbrunnens. Das Ziel der Anwohnerinitiative Mariannenplatz ist es den Platz wieder zu beleben und einen Ort der Begegnung und Kommunikation für den Kiez zu schaffen. Zur großen Freude aller ist der Brunnen seit dem 8. April 2005 wieder in Betrieb. Für die jüngeren war die große Attraktion die Berliner Feuerwährmänner, die mit zwei Wagen erschienen waren und ihre Künste vorführten.

Unser dem Motto „Bunte Blumen für Buntes Kreuzberg“ lud das AWO Begegnungszentrum im Rahmen des 5. Berliner Freiwilligentages am 10. September 2005 wieder zu einer kleinen Putzaktion und zu einer Herbstbepflanzung in die Adalbertstrasse ein.

Mit Nachbarn und Gästen pflanzten wir Blumen um die Bäume und suchten Paten für ihre Pflege und Schutz. Begeistert von unserem Motto „Bunte Blumen für Buntes Kreuzberg“ war auch Frau Carola Schaaf-Derichs, vom Treffpunkt Hilfsbereitschaft, Organisatorin des Berliner Freiwilligentages, in die Adalbertstrasse gekommen und half mit.

Buntes Kreuzberg – Bunte Marianne“

Am Samstag, den 16.09.2006 ab 11:00 Uhr fand eine Bepflanzungs- und Putzaktion rund um den Mariannenplatz statt.

Unter dem Motto „Buntes Kreuzberg – Bunte Marianne“ starteten wir dieses Jahr an zwei Orten und hatten drei Stationen, unsere historischen Haltestellen.

Die Teilnehmer engagieren sich im Rahmen der Aktion „Buntes Kreuzberg“ für ihren Stadtteil, während sie Historisches über das Quartier um den Mariannenplatz erfahren.

Die erste Gruppe startete am AWO Begegnungszentrum, Adalbertstr. 23a, 10997 Berlin, um 11.00 Uhr. Wir fingen mit der Bepflanzung und Graffitientfernung an und zogen dann putzend und plauschend zum Mariannenplatz. Wir haben an historischen Stellen Halt gemacht und lernten von Zeitzeugen, wie geschichtsträchtig das Bethanien-Gelände ist.

Die zweite Gruppe startete, organisiert von DITIB – Türkisch Islamische Union für Religion, um 11.00 Uhr mit einer Führung durch die Moschee in der Wiener Str. 12.

über die Wiener-, Skalitzer und Waldemarstr. ging es weiter bis zum Mariannenplatz.

Die Haltestellen der Gruppen waren unter anderem:

  • Schwesternwohnhaus TABEA / AWO Begegnungszentrum
  • Fontane Haus / Projekt Arbeiten und Lernen vom Pestalozzi Fröbel Haus
  • Kaserne/Krankenhaus Bethanien / Künstlerhaus Bethanien
  • St. Thomas Kirche, Byzantinische Architektur / Orient und Okzident

Das große Treffen war vor der St.Thomas Kirche am Mariannenplatz. Nach einer Führung mit Pfarrer C. Müller durch die zweitgrößte Kirche Berlins erfuhren wir auch hier durch Anekdoten und kleine Beiträge viele interessante Dinge über die bewegte Geschichte Berlins von 1865 bis heute am Beispiel des Mariannenplatzes und der St. Thomas Kirche.

Von den meisten Besuchern unentdeckt, erinnert am Mariannenplatz, neben einem Toilettenhäuschen eine Bronzetafel des Bildhauers Nikolaus Langhans an den Rentner Wilhelm Lehmann, der im August 1942 an die Innenwand einer damals dort stehenden Bedürfnisanstalt die Worte „Hitler, du Massenmörder musst ermordet werden, dann ist der Krieg zu Ende“ gekritzelt hatte. Sie kosteten ihn das Leben. Aufgrund einer Denunziation wurde er vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 10. Mai 1943 in Plötzensee hingerichtet. [Quelle: Kreuzberg Museum/Martin Düspohl]

Unser Kooperationspartner BSR vermittelte ein Kontakt zu der Firma futur Reinigungschemie, die Graffitientferner unter Beachtung der Auflagen des Umweltschutzes herstellt. Herr Peter Worpitz, Geschäftsführer von futur GmbH war mit einem seiner Mitarbeiter am Mariannenplatz und sie entfernten kostenlos unter anderem am Denkmal für Wilhelm Lehmann und am Fontane-Haus die Graffitis.

Diese Aktion wurde von AWO Begegnungszentrum, DITIB (Türkisch Islamische Union für Religion), Pestalozzi-Fröbel-Haus „Arbeiten und Lernen“ und die St. Thomas Gemeinde gemeinsam im Rahmen des 6.Berliner Freiwilligen Tages in Kooperation mit Treffpunkt Hilfsbereitschaft veranstaltet.

Teil 2 – Die Entwicklung

Auch 2002 gab es eine Putzaktion. Und 2003 kamen am 25. Mai mehr als 90 Menschen in Kreuzberg zusammen, die Altersspanne reichte von 8 bis 82.

Der Wunsch vieler Teilnehmer vorangegangener Aktivitäten war, die Aktion durch Vernetzung mit wichtigen Institutionen im Bezirk zu etablieren und regelmäßig stattfinden zu lassen. Wir haben insbesondere mit Schulen, Vereinen, Wohnungsbaugesellschaften, Geschäftsleuten, Parteienvertretern, Medien und mit Abteilungen des Bezirksamtes in Friedrichshain-Kreuzberg kooperiert.

Die Organisatoren gingen bei den Vorbereitungen der Aktion im Mai 2003 verstärkt in die Schulen, um auch jüngere TeilnehmerInnen zu gewinnen. Das fand auch den Zuspruch der älteren in der Gruppe, die so auch begeisterte junge Zuhörer für Ihre Geschichten aus dem Kiez fanden. Die Regenbogen-Buchhandlung am Kottbusser Tor, das Projekt Soziale Gruppenarbeit vom AWO Begegnungszentrum, eine Schülergruppe vom Jens-Nydahl-Grundschule und eine Kindergruppe vom Kotti e.V. beteiligten sich mit insgesamt mehr als 30 Kindern.

Zum ersten Mal nahmen auch viele Mitglieder des Jüdischen Kulturvereins, eines unserer regelmäßigen Kooperationspartner aus dem Nachbarbezirk Berlin Mitte, aktiv an der Aktion teil.
Viele ältere Teilnehmer hatten wir für die Idee begeistern können, in den Pausen Geschichten aus ihrem Leben, also aus dem „Kreuzberger Kiez“ zu erzählen. Für die Besucher aus Berlin Mitte gab es vor der Putzaktion auch einen kurzen „Kiezspaziergang“.

Als Erfolg werteten alle Teilnehmer insbesondere das gemeinsame Handeln und die Verständigung zwischen Kindern, Jugendlichen und den älteren Bewohnern des Bezirkes. Zu der guten Stimmung trug auch die Unterstützung einiger Cafes im Stadtteil bei, die die Teilnehmer während der Aktion mit Getränken und danach mit einem Buffet im Garten des Begegnungszentrums belohnten.

Auch das Medienecho war ein Erfolg: Die Berliner Abendschau sendete noch am selben Abend einen Filmbeitrag über unsere Aktion und das Museum Europäischer Kulturen in Berlin Dahlem stellte im Rahmen der Ausstellung „MigrationsGeschichte(n)“ als Teil des europäischen Projektes „Migration, Work and Identity“ vom Juli 2003 bis Februar 2004 auch unsere Aktion vor.

Teil 1 – Die Entstehung

Auch wenn Sie nicht in Berlin wohnen, haben Sie sicher schon vieles über diesen Berliner Bezirk gehört. Und wahrscheinlich eher Negatives. Dabei ist Kreuzberg einer der lebendigsten Bezirke Berlins, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft gerne wohnen und sich hier wohl fühlen. Viele Kreuzberger sind auch bereit, sich für ihr Umfeld zu engagieren. So entstand die Idee zu „Buntes Kreuzberg“.

Die Aktion „Buntes Kreuzberg“ wurde erstmals im Jahr 2001 im Rahmen des „Berliner Freiwilligen Tages“ durchgeführt. Unter dem Motto „Buntes Kreuzberg putzt sein zu Hause“ wurden Bewohner zur einer nachbarschaftlichen Putzaktion aufgerufen. Kooperationspartner waren Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR), umliegende Schulen, Kirchengemeinden und Moscheen.

Die Ehrenamtlichen aus der türkischsprachigen Gruppe bildeten mit anderen deutschen, türkischen, spanischen und polnischen Besuchern unterschiedlichen Alters die erste Organisationsgruppe der Aktion. Sie trafen sich mehrmals im Begegnungszentrum, legten die Routen und die Arbeitsaufteilung fest. Es gab viel zu organisieren: wer macht die Führungen, wer hilft beim Buffet, wer verteilt die T-Shirts?. Für die Aktion wurden T-Shirts in vier Sprachen mit dem Text „Buntes Kreuzberg putzt sein zu Hause“ bedruckt und an die Teilnehmer verteilt.

Es war nicht einfach, jeden zu überzeugen, sich an einer Putzaktion auf den Straßen zu beteiligen. Die Organisatoren und die Ehrenamtlichen aus den Seniorengruppen mussten viel Überzeugungsarbeit leisten, besuchten die Geschäfte in der Gegend, verteilten Handzettel und Plakate und sprachen ihre Bekannten und Nachbarn in der Umgebung an. Es wird berichtet, dass während der Gespräche sehr viel Tee getrunken wurde [Ein bewährter Überzeugungsmittel in südlichen Gefilden].

Buntes Kreuzberg putzt sein zu Hause, 2002Am 16. September 2001 war es dann soweit. Ausgangspunkt der Putzaktion war Kottbusser Tor. Von dort führten vier Routen ins Begegnungszentrum. Auch Kommunalpolitiker nahmen daran teil und standen für Fragen zur Verfügung. Es wurde geputzt, beim geselligen Plausch in den Pausen gab es viele Informationen. Kreuzberger, die in den 40er und 50er Jahren ihre Kindheit hier verbracht haben und Migranten, die erst seit den 60er Jahren hier leben, erinnerten sich und tauschten persönliche Erlebnisse aus der Geschichte Kreuzbergs aus. Zum Abschluss wartete im Begegnungszentrum ein Buffet auf die Teilnehmer. Beim Tee wurden dann auch Ideen und Meinungen ausgetauscht.

Es hatte den meisten richtig Spaß gemacht! Sie wollten mehr davon. Die Aktion „Buntes Kreuzberg“ war geboren.